Urologen setzen auf Doppelstrategie

Das Konzept des Handelns muss in der Hand der Urologen bleiben, so der Facharzt für Urologie aus Neumünster und 1.Vorsitzender des Verein der Urologen Schleswig-Holstein (VdUSH) und Vorstandsmitglied der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein (ÄGSH).
Mit der Aufstellung eines Korbes zum kollektiven Zulassungsverzicht bereiten sich auch die niedergelassenen Urologen Schleswig-Holsteins auf ein Systemversagen vor. Die missratene Gesundheitspolitik lässt eine gute, wohnortnahe und flächendeckende urologische Versorgung nicht mehr zu.

Die Vertragsärzte zeigen in Kiel am 15.Juli 2009 der Politik nicht nur die gelbe Karte, sondern die Urologen demonstrieren den Willen zum geschlossenen Systemausstieg, um auch künftig die Patienten qualifiziert versorgen zu können.

Der Urologenkorb ist ein Signal und eine Botschaft zugleich.
  1. An die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein : Kollektivvertragssystem muss die Regelversorgung der Fachärzte absichern, um eine qualifizierte ärztliche Versorgung zu leisten!
  2. An die Politik im Lande und im Bund : Ärzte sind bereit, geschlossen aus dem System auszutreten!
  3. An die Patienten : Ärzte bieten eine Alternative zum bestehenden System!
  4. An die Krankenkassen : Unter den bestehenden Bedingungen ist eine gute vertragsärztliche Versorgung nicht mehr zu leisten! Selektivverträge zur qualifizierten Versorgung müssen hier die Versorgungsdefizite ausgleichen . 

Mit der Botschaft „ wir wollen weiterhin für unsere Patienten da sein und unserem Versorgungsauftrag nachkommen", aber „ schafft Rahmenbedingungen für eine medizinisch notwendige und wirtschaftlich gesicherte Versorgung „ geht der Vorstand des VdUSH einen pragmatischen Weg

Der VdUSH vertritt fasst alle niedergelassenen Urologen und Urologischen Chefärzte in Schleswig-Holstein, der in der Zusammenarbeit mit der ÄGSH eine strategische Partnerschaft betreibt .
Mit monatlich ca. 8 Euro ist eine Regelversorgung in der Urologie nicht mehr zu leisten ! Die Regelleistungsvolumina sind ein Budget, welche unweigerlich in eine Rationierung führen. Die Urologen fordern kurz und mittelfristig konstruktive Lösungsansätze und setzen damit folgende wirtschaftlichen Akzente.

  • Der Kollektivvertrag muss in eine echte Gebührenordnung in Euro und Cent überführt werden, ohne Budgets und sinkende Punktwerte.
  • Unterstützung der ärztlichen Selbstverwaltung ( KV + KBV ) mit der Forderung nach der Einzelleistungsvergütung.
  • Abschaffung der desaströsen Neuordnung der vertragsärztlichen Vergütung ( NVV ) mit Einführung der Kostenerstattung, auf Wahl des Vertragsarztes
  • Bemühungen des VdUSH um Selektivverträge nach § 73 SGB V für eine bessere Vergütung im urologischen Tagesgeschäft.
  • Weiterentwicklung individueller Gesundheitsleistungen in der Urologie und Kooperationen in ortsübergreifenden Teilgemeinschaften und Netzen, auch sektorübergreifend.

Der politische Akzent ist der kollektive Systemausstieg. „Wir wollen damit die Geschlossenheit der Fachgruppe stärken und in eine Position kommen, in der wir selbständig handeln und auch die Reißleine ziehen, wenn das System für uns nicht mehr akzeptabel ist," so der 1. Vorsitzende des VdUSH.

Die Zielmarke ist „ 50 plus „ um in Schleswig-Holstein bei ca. 70 urologischen Praxen ein Systemversagen herzustellen . „Ist der Korb voll , reden wir Urologen über Ausstieg", so der Vorstand des VdUSH, vorher nicht.

Die Chefärzte der urologischen Kliniken unterstützen solidarisch ihre niedergelassenen Kollegen und würden ein Zusammenbruch der ambulanten Versorgung nicht auffangen wollen bzw. können.

Mit dieser Doppelstrategie, den 2 Akzenten des Urologenkorbes, wirtschaftlich und politisch , setzt der VdUSH mit seinen Mitgliedern aus Klinik und Praxis auf künftige vertragliche Mischformen in der Patientenversorgung und den Einstieg in die Kostenerstattung ,um die bewährte wohnortnahe, flächendeckende und qualifizierte Versorgung durch den Arzt des Vertrauens auch in Zukunft in Schleswig-Holstein sicherzustellen. Ein Wunsch der Mehrheit der Bürger im Lande, den die Politik nicht ignorieren sollte.